Die Entwicklung der Zaza-Sprache

Der (traditionelle) Sprachraum1 des Zaza befindet sich in Ostanatolien, im oberen Euphratgebiet und bildet ein
geschlossenes Territorium zwischen den Breitengraden 37,8°-42° und den Parallelen 37,8°-40°. Das Verbreitungsgebiet umfaßt im Nordwesten den Kreis Zara (Sivas), im Westen Çemişgezege (Dersim/Tunceli), im Sü-
den Siverege (Urfa), im Südosten Mutki und Tatvan (Bitlis), im Osten Varto/Gımgım (Muş) und Xınıs (Erzurum) und im Norden Tercan und Çayırliye (Erzincan).

von
Dr. phil. Zülfü Selcan

1. Sprachraum

Der (traditionelle) Sprachraum1 des Zaza befindet sich in Ostanatolien, im oberen Euphratgebiet und bildet ein
geschlossenes Territorium zwischen den Breitengraden 37,8°-42° und den Parallelen 37,8°-40°. Das Verbreitungsgebiet umfaßt im Nordwesten den Kreis Zara (Sivas), im Westen Çemişgezege (Dersim/Tunceli), im Sü-
den Siverege (Urfa), im Südosten Mutki und Tatvan (Bitlis), im Osten Varto/Gımgım (Muş) und Xınıs (Erzurum) und im Norden Tercan und Çayırliye (Erzincan). In den Kerngebieten Dersim und Bingöl (Çewlıg), sowie
in manchen Kreisen des Randgebiets, z. B. Zara, Siverege und Varto ist Zaza die dominierende Sprache. Im
Sprachraum des Zaza wird auch Kurmandji und Türkisch gesprochen. Sprechern des einst hier gesprochenen
Armenischen begegnet man heutzutage kaum.

Auch in Kasachstan wird Zaza gesprochen. Unter den während der Stalinherrschaft nach Zentralasien verbannten Volksgruppen befanden sich auch zahlreiche Zaza-Familien aus Batum (Georgien), die 1944 in Džambul
(Kasachstan) angesiedelt wurden. Berichten zufolge haben sie (ca. 10 000) ihre Sprache und Kultur bewahrt.2
Eine genaue Statistik über die Sprecherzahl des Zaza existiert nicht. Die Angaben zur Muttersprache in den
türkischen Volkszählungen sind realitätsfern und unzuverlässig. Nach meiner Abschätzung aufgrund des
Zensus 1981 unter Berücksichtigung des Sprachraums und der Metropole dürfte die Zahl der Zaza-Sprecher
bis zu 3 Millionen betragen.

Durch Arbeitsemigration (1964-1974) und politisches Exil (nach dem Militärputsch 1981) kamen viele Zaza in
die westeuropäischen Staaten: Deutschland, Österreich, Schweiz, Niederlande, Belgien, Frankreich und Schweden. Der größte Teil der Zaza in Europa lebt in Deutschland (ca. 250 000). In Berlin dürfte ihre Zahl etwa 10
000 betragen, und ähnlich ist es auch in manchen anderen Großstädten Deutschlands und in der schweizerischen Grenzstadt Basel.3

2. Volks- und Sprachnamen
Wie die Deutschen sich mit verschiedenen lokalen Namen wie Preuße, Sachse, Bayer, Westfale usw. bezeichnen, so verwenden auch die Zaza für die ethnische Selbstbezeichnung mehrere regionale Volksnamen: Zaza,
Kırmanc, Dımıli, Gini.

Das am meisten, d. h. überregional und international verbreitete Ethnonym ist Zaza.
Der Sprachname wird mit dem Suffix -ki aus dem Volksnamen gebildet; z. B. Zaza > Zaza-ki ‘Zaza, die ZazaSprache’, usw.
Das Ethnonym Zaza ist in Raum Bingol (Bingöl), Hênı, Piran (Dicle), Xarpêt (Elazı
ğ) und Sarız verbreitet. Im
türkischen Sprachgebrauch wird es für alle Zaza-Sprecher gebraucht.
Auf dem ledernen Dokument, dem sogenannten Secerê Kurêşi ‘Ahnentafel des Kurês’, das aus dem Jahre
1329/30 (730 h.) stammt, trägt den Siegel eines türkischen Sultans. Sie führt u. a. auch die Namen einiger ZazaStämme auf. Darunter befindet sich ein Unterzeichner, der sich als
tflālib ‘(alevitischer) Laie’ und Angehöriger
des Stammes Z
āzā nennt.

 

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Der (traditionelle) Sprachraum1 des Zaza befindet sich in Ostanatolien, im oberen Euphratgebiet und bildet ein
geschlossenes Territorium zwischen den Breitengraden 37,8°-42° und den Parallelen 37,8°-40°. Das Verbreitungsgebiet umfaßt im Nordwesten den Kreis Zara (Sivas), im Westen Çemişgezege (Dersim/Tunceli), im Sü-
den Siverege (Urfa), im Südosten Mutki und Tatvan (Bitlis), im Osten Varto/Gımgım (Muş) und Xınıs (Erzurum) und im Norden Tercan und Çayırliye (Erzincan).

von
Dr. phil. Zülfü Selcan

1. Sprachraum

Der (traditionelle) Sprachraum1 des Zaza befindet sich in Ostanatolien, im oberen Euphratgebiet und bildet ein
geschlossenes Territorium zwischen den Breitengraden 37,8°-42° und den Parallelen 37,8°-40°. Das Verbreitungsgebiet umfaßt im Nordwesten den Kreis Zara (Sivas), im Westen Çemişgezege (Dersim/Tunceli), im Sü-
den Siverege (Urfa), im Südosten Mutki und Tatvan (Bitlis), im Osten Varto/Gımgım (Muş) und Xınıs (Erzurum) und im Norden Tercan und Çayırliye (Erzincan). In den Kerngebieten Dersim und Bingöl (Çewlıg), sowie
in manchen Kreisen des Randgebiets, z. B. Zara, Siverege und Varto ist Zaza die dominierende Sprache. Im
Sprachraum des Zaza wird auch Kurmandji und Türkisch gesprochen. Sprechern des einst hier gesprochenen
Armenischen begegnet man heutzutage kaum.

Auch in Kasachstan wird Zaza gesprochen. Unter den während der Stalinherrschaft nach Zentralasien verbannten Volksgruppen befanden sich auch zahlreiche Zaza-Familien aus Batum (Georgien), die 1944 in Džambul
(Kasachstan) angesiedelt wurden. Berichten zufolge haben sie (ca. 10 000) ihre Sprache und Kultur bewahrt.2
Eine genaue Statistik über die Sprecherzahl des Zaza existiert nicht. Die Angaben zur Muttersprache in den
türkischen Volkszählungen sind realitätsfern und unzuverlässig. Nach meiner Abschätzung aufgrund des
Zensus 1981 unter Berücksichtigung des Sprachraums und der Metropole dürfte die Zahl der Zaza-Sprecher
bis zu 3 Millionen betragen.

Durch Arbeitsemigration (1964-1974) und politisches Exil (nach dem Militärputsch 1981) kamen viele Zaza in
die westeuropäischen Staaten: Deutschland, Österreich, Schweiz, Niederlande, Belgien, Frankreich und Schweden. Der größte Teil der Zaza in Europa lebt in Deutschland (ca. 250 000). In Berlin dürfte ihre Zahl etwa 10
000 betragen, und ähnlich ist es auch in manchen anderen Großstädten Deutschlands und in der schweizerischen Grenzstadt Basel.3

2. Volks- und Sprachnamen
Wie die Deutschen sich mit verschiedenen lokalen Namen wie Preuße, Sachse, Bayer, Westfale usw. bezeichnen, so verwenden auch die Zaza für die ethnische Selbstbezeichnung mehrere regionale Volksnamen: Zaza,
Kırmanc, Dımıli, Gini.

Das am meisten, d. h. überregional und international verbreitete Ethnonym ist Zaza.
Der Sprachname wird mit dem Suffix -ki aus dem Volksnamen gebildet; z. B. Zaza > Zaza-ki ‘Zaza, die ZazaSprache’, usw.
Das Ethnonym Zaza ist in Raum Bingol (Bingöl), Hênı, Piran (Dicle), Xarpêt (Elazı
ğ) und Sarız verbreitet. Im
türkischen Sprachgebrauch wird es für alle Zaza-Sprecher gebraucht.
Auf dem ledernen Dokument, dem sogenannten Secerê Kurêşi ‘Ahnentafel des Kurês’, das aus dem Jahre
1329/30 (730 h.) stammt, trägt den Siegel eines türkischen Sultans. Sie führt u. a. auch die Namen einiger ZazaStämme auf. Darunter befindet sich ein Unterzeichner, der sich als
tflālib ‘(alevitischer) Laie’ und Angehöriger
des Stammes Z
āzā nennt.

 

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